Die Geschäftsstelle des DAV Suhl bleibt für Besucher vorerst geschlossen

Zur Corona-Prävention bleibt die Geschäftsstelle des DAV Suhl vorerst auf unbestimmte Zeit für den Publikumsverkehr geschlossen. Außerdem werden in Zukunft die Öffnungszeiten grundsätzlich auf Donnerstag reduziert. Die nächste Geschäftsstellenöffnung ist also an einem Donnerstag, fragt sich nur in welchem Jahr. Bis dahin können unbedingt notwendige Ausleihen oder andere Anliegen telefonisch oder per E-Mail vereinbart werden. Die Kontaktinformationen dafür findet ihr zu den Ansprechpartnern unter Kontakt oder auf der Rückseite der "Bergauf"-Hefte.
Mt. Blanc . Juni 2018 (Foto: Axel Nastansky)
Mt. Blanc . Juni 2018 (Foto: Axel Nastansky)
Mt. Blanc . Juni 2018 (Foto: Axel Nastansky)
Mt. Blanc . Juni 2018 (Foto: Axel Nastansky)
Mt. Blanc . Juni 2018 (Foto: Axel Nastansky)
Mt. Blanc . Juni 2018 (Foto: Axel Nastansky)
Mt. Blanc . Juni 2018 (Foto: Axel Nastansky)
Mt. Blanc . Juni 2018 (Foto: Axel Nastansky)
Mt. Blanc . Juni 2018 (Foto: Axel Nastansky)

Mt. Blanc 2018

07.2018 Mt. Blanc auf dem Normalweg im 2. Versuch Axel & Katja Nastansky

Im Sommer 2017 wollten wir unsere praktischen Eis- und Gletscherkenntnisse etwas aufbessern und haben im DAV-Summit-Club-Katalog geblättert. Siehe da, es gab ein vertiefendes praktisches Training mit anschließender Mt. Blanc Besteigung. Der Mt. Blanc war zwar bisher nicht in unserem Fokus, aber warum eigentlich nicht, dachten wir uns. Leider hatte das Wetter am Ende nicht mitgespielt. Als wir am vorgesehenen Gipfeltag morgens 2:30 Uhr den Kopf aus dem Refuge de Goûter (3.835 m) steckten, blies uns ein Schneesturm mit 85 km/h um die Nase. Enttäuscht legten wir uns wieder ins Bett und stiegen am Morgen ins Tal ab. Der Mt. Blanc ging uns nun aber nicht mehr aus dem Kopf und wir nahmen uns fest vor, im nächsten Jahr einen neuen Versuch zu starten.

Wenn man wie wir ohne Guide gehen möchte, ist die erste Hürde, eine Reservierung im Refuge de Goûter zu ergattern. Auf der Webseite der Hütte (refugedugouter.ffcam.fr) wurde ein Tag im März angekündigt, wo die Reservierung für private Personen geöffnet ist. Wir haben uns zur Sicherheit 10 mögliche Termine aufgeschrieben. Der Link zum Reservierungssystem wurde 8:20 Uhr auf der französischen Seite und ca. 3 Stunden später auf der englischsprachigen Version der Webseite zur Verfügung gestellt (da war die Hütte allerdings schon längst ausgebucht). Zum Glück kann Axel sehr gut Französisch. Die Reservierung funktionierte wie folgt: freien Termin aussuchen, Anzahl und Mahlzeiten auswählen, reservieren klicken und dann – Überraschung – ein Account anlegen. Während man das Account anlegt, wird die Reservierung nicht gehalten. Die Webseite stürzte ständig ab und so kam es, dass wir nach 15 Minuten dann immerhin noch unseren achtliebsten Termin bekamen. Wir freuten uns, als hätten wir im Lotto gewonnen.

Unser Termin war Mitte Juni und um diese Zeit fuhr noch keine der Bahnen, weder die Zahnradbahn „Tramway du Mont-Blanc“ von Bellevue nach Nid d‘Aigle (2372 m) noch die Seilbahn von Les Houches nach Bellevue „Téléphérique de Bellevue“. Wir mussten also vom Parkplatz „Le Crozat“ (1.420 m) oberhalb von Bionassay loslaufen. Als wir das realisierten, haben wir zur Sicherheit noch eine zusätzliche Nacht im Refuge de la Tête Rousse (refugeteterousse.ffcam.fr) gebucht.

Nun konnte es also endlich losgehen. Zum Akklimatisieren sind wir ins Wallis gefahren. Leider waren die Wetteraussichten für den Mt. Blanc überhaupt nicht gut. Regen, Schnee und starker Wind waren angesagt. Na ja, wir wollten es natürlich trotzdem probieren. Für den Aufstieg zur Tête Rousse (3.167 m) brauchten wir 6 Stunden. Wir sind ab Bellevue auf den Gleisen der Zahnradbahn gelaufen, da der Wanderweg lt. Auskunft in Chamonix noch zu viel Schnee hatte. Die Wegfindung ab Nid d‘Aigle gestaltete sich überraschend schwierig, insbesondere, da wir den Weg ja im letzten Jahr schon einmal gelaufen sind. Aber die Wegmarkierung lag noch unter dem Schnee, es war sehr neblig und die Spuren führten in alle Richtungen. Eine Hauptspur war nicht zu erkennen. Wir folgten dann einer Spur, die nach rechts über steile Schneefelder führte. Schon bald mussten wir die Steigeisen anlegen. Dann ging der Aufstieg aber problemlos. Mit unserem Eintreffen auf der Tête Rousse gegen 17 Uhr setzte der Schneefall ein und dauerte bis zum nächsten Morgen 9 Uhr. Die Stimmung auf der Hütte war trotzdem gut und das Essen lecker. Es stellte sich heraus, dass fast alle die nächste Nacht im Refuge de Goûter reserviert hatten, also noch kein Grund zur Sorge. Die bange Frage war, wieviel Neuschnee ist weiter oben gefallen und wie sind die Schneebedingungen. Am nächsten Morgen sind wir gemütlich gegen 9 Uhr aufgebrochen und durch einen halben Meter Neuschnee zum Goûter Couloir gestapft. Wir haben dann gleich noch einen jungen Franzosen in unsere Seilschaft aufgenommen, da sein Kletterpartner mit Knieproblemen umkehren musste. Das Couloir war tief verschneit und so früh am Morgen gab es auch noch keinen Steinschlag. Der Aufstieg zum Refuge de Goûter ging prima mit Steigeisen und Pickel. Neuschnee auf altem Eis. Allerdings gingen links und rechts von uns kleine Schneelawinen ab, die uns Sorgen für die Gipfeltag machten.

Mittags waren wir beim Refuge. Dies sollte bis zum Abend nur bis zu einem Viertel gefüllt sein, der Rest hatte wegen schlechter Wetteraussichten abgesagt. Unglaublich! Aber natürlich angenehm für uns. Die Hüttencrew war – im Gegensatz zum Jahr davor – gut gelaunt und sehr nett. Das Essen noch etwas besser als auf der Tête Rousse. Kurz vor dem Abendessen versammelten sich die Guides mit dem Hüttenwirt zum Aperitif und besprachen das Wetter und die Aufstiegsstrategie. Es sah nicht gut aus… Trotzdem wollten alle um 2 Uhr aufstehen und „mal schauen“. Für uns ein Déjà-vu vom letzten Jahr… Während des Abendessens klarte es draußen plötzlich auf. Der Aiguille de Bionassay, Sonne und etwas blauer Himmel waren zu sehen. Es gab ein großes Ahhh und Ohhh und jeder rannte ans Fenster. Die Stimmung lockerte merklich auf.

Nachts zwischen 2 und 2:30 Uhr machte sich die relativ kleine Gruppe von ca. 30 Leuten nach und nach auf den Weg. Wir hatten es nicht eilig und gingen 2:30 Uhr los. Der erfahrenste Guide hatte sich freiwillig zum Spuren treten gemeldet und ging mit Schneeschuhen voran. An der Hütte war es windstill, aber gleich am Dôme du Goûter (4.300 m) war der Wind sehr stark. Unter uns konnten wir die Lichter von Chamonix erkennen und vor uns die Stirnlampen der anderen Bergsteiger. Der Schnee war erstaunlich griffig und fest. Allerdings wurde der Wind bald so stark, dass innerhalb von 10 Minuten die Spuren komplett zugeweht waren. Man musste also im Dunkeln genau aufpassen, wo man hintrat. Sobald man außerhalb der getretenen Spur war, sank man bis zu den Knien ein. Bei Sonnenaufgang erreichten wir das Bivouac Vallot (4.362 m), haben etwas gegessen und noch eine Schicht Kleidung angezogen. Dann schnell weiter, denn wir wollten auf keinen Fall den Anschluss und damit die Spur verlieren. Der Wind wurde immer stärker, aber trotzdem ging der Aufstieg gut voran und 8:25 Uhr standen wir glücklich und ganz alleine auf dem Gipfel. Schnell machten wir ein paar Fotos, dabei hat uns der starke Wind fast umgeblasen. Der Rückweg bis zum Valot Biwak verlief schnell und ohne Probleme. Langsam kamen uns die ersten Bergsteiger entgegen, die Nachts von der Tête Rousse gestartet sind. Es sollte sich später herausstellen, dass viele umgekehrt sind, weil der Wind noch stärker wurde. Da wir noch eine weitere Nacht im Refuge de Goûter gebucht hatten, haben wir uns beim Abstieg Zeit gelassen, ausgiebig Fotos gemacht und ein Picknick in der warmen Sonne genossen. Glücklich erreichten wir das Refuge zum Mittag-essen und konnten den Rest des Tages genießen und mit anderen Bergsteigern Erlebnisse teilen oder den neu auf die Hütte Aufgestiegenen Tips geben. Nun war die Hütte auch bis auf den letzten Platz belegt. Am nächsten Tag sind wir nach einem „späten“ Frühstück um 7 Uhr gemütlich nach Bionnassay abgestiegen. Diesmal konnten wir uns bei guter Sicht den Schnee zunutze machen und sind gemächlich zur Nid d‘Aigle hinabgeschlittert. Zur Belohnung haben wir uns noch zwei Tage in Chamonix gegönnt. Das Städtchen hat eine tolle lebhafte Atmosphäre, geprägt nicht zuletzt von den Studenten der ansässigen Alpinismus Universität. Unser Tipp: Hotel Richemond (www.richemond.fr/en), direkt in der Fußgängerzone. Das charmante ehemalige Bergsteiger-Hotel ist seit der Eröffnung im Jahr 1914 im Besitz der Familie Folliguet. Unbedingt ein nicht renoviertes Zimmer in den oberen Etagen buchen.