2022: Schweden: Padjelanta NP (Foto: Matthias Michalowski)
 
2022: Schweden: Padjelanta NP (Foto: Matthias Michalowski)
2022: Schweden: Padjelanta NP (Foto: Matthias Michalowski)
 
2022: Schweden: Padjelanta NP (Foto: Matthias Michalowski)
2022: Schweden: Padjelanta NP (Foto: Matthias Michalowski)
 
2022: Schweden: Padjelanta NP (Foto: Matthias Michalowski)
2022: Schweden: Padjelanta NP (Foto: Matthias Michalowski)
 
2022: Schweden: Padjelanta NP (Foto: Matthias Michalowski)
2022: Schweden: Padjelanta NP (Foto: Matthias Michalowski)
 
2022: Schweden: Padjelanta NP (Foto: Matthias Michalowski)
2022: Schweden: Padjelanta NP (Foto: Matthias Michalowski)
 
2022: Schweden: Padjelanta NP (Foto: Matthias Michalowski)
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2022: Schweden: Padjelanta NP (Foto: Matthias Michalowski)
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2022: Schweden: Padjelanta NP (Foto: Matthias Michalowski)
2022: Schweden: Padjelanta NP (Foto: Matthias Michalowski)
 
2022: Schweden: Padjelanta NP (Foto: Matthias Michalowski)
2022: Schweden: Padjelanta NP (Foto: Matthias Michalowski)
 
2022: Schweden: Padjelanta NP (Foto: Matthias Michalowski)
2022: Schweden: Padjelanta NP (Foto: Matthias Michalowski)
 
2022: Schweden: Padjelanta NP (Foto: Matthias Michalowski)
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2022: Schweden: Padjelanta NP (Foto: Matthias Michalowski)
2022: Schweden: Padjelanta NP (Foto: Matthias Michalowski)
 
2022: Schweden: Padjelanta NP (Foto: Matthias Michalowski)
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2022: Schweden: Padjelanta NP (Foto: Matthias Michalowski)
 
2022: Schweden: Padjelanta NP (Foto: Matthias Michalowski)

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Ski-Trekking im Padjelanta-Nationalpark (Schweden) Skadi + Matthias Michalowski

Aus unserem Tour-Tagebuch

Montag, 28. März 2022: Tag der Tiere

Wir stehen erst um halb acht auf und sind gegen 10 Uhr abmarschbereit. Es ist zwar recht kalt, da aber kein Wind geht, fangen wir beim Kraxeln nach der „Dorfdurchquerung“ schnell zu schwitzen an. Bereits beim Verlassen des Flussufers werden wir mit einem Anstieg konfrontiert, der uns einige Nerven kostet. Es ist eisig und schräg, ständig rutschen die Schlitten zur Seite und kippen bei geringstem Widerstand um. Wenn wir angewehten Neuschnee (vornehmlich im Birkenwald) suchen, wird das Gelände steiler und die Schlitten fallen genauso oft um oder hängen wie Steine an unseren Hüftgurten, zeitweise nehmen wir die Skier in die Hand und kraxeln so weiter. Auf einem Zwischenplateau genießen wir die Aussicht auf den riesigen Virihaure-See… Rechts von uns haben wir bereits beim Aufstieg Tiere wahrgenommen, jetzt sehen wir sechs Elche in Reih und Glied den Hang emporsteigen. Wir sind fasziniert und können ihnen aus der Ferne lange zuschauen. Dann driften wir weiter in schneearmer, vereister Hanglage. Der Sommerweg des Padjelantaleden führt bergauf und bergab und scheint jeden vorhandenen Berg für sich zu vereinnahmen. Ganz nah kommen wir an Rentiere heran, die uns beobachten und sich erst sehr spät vom Fels erheben. Irgendwann sind wir in der Situation, dass wir nicht weiter sondern zurück gehen wollen, weil sich die Lage in dem beinahe alpinen Gelände ins gefühlt Unverantwortliche entwickelt. Ein Abrutschen hätte hier dramatische Folgen. Mit erhöhtem Adrenalinspiegel steigen wir über einen weiteren Hügel seitlich aus der Gefahrenzone und beschließen, in weitem Bogen in Richtung See abzufahren. Das funktioniert gut, wir haben tolles Wetter, sehen unten auf dem See (weit weg) nochmal Elche und treffen unterwegs auf vom Wind verpresste mystische Schneeformationen… Unser Ziel, Arasluokta, können wir weit voraussehen… Arasluota ist genauso wie Staloluokta eine Sami-Sommersiedlung mit Kirche und Lebensmittelspeichern auf Stelzen… Das Wetter ist immer noch fantastisch, wir heizen der Hütte ein (-4°C) und sitzen mit Cappuccino vor unserem „Ferienhaus“…

Mittwoch, 30. März 2022: Tag der Begegnungen

Aus den Erfahrungen der Vortage beschließen wir, die sofort und steil anfallenden 100 Höhenmeter zu umgehen. Skadi entdeckt noch die Elche vom Vorabend etwas näher und unter dem Gegurgel der vielen Schneehühner, die sich diesmal vorwiegend in großen Schwärmen in den Bäumen aufhalten, starten wir bei -8°C nach Westen obwohl unsere Zielrichtung eigentlich im Norden liegt. Wir planen auf dem Eis am Ufer des Vastenjaure entlang zu laufen. Im Gegensatz zum Vortag schneidet uns der Wind heute in Gesicht und Körper. Nach den vier Elchen beim Aufbruch können wir nochmals sechs Tiere beobachten, die sich gemächlich unseren Blicken zu entziehen versuchen (was aufgrund des offenen Geländes eher schwierig ist)… So sind wir jetzt viel auf Blankeis unterwegs und ich bereue, die defekte Stockspitze nicht getauscht zu haben. Dafür sorgen die Steigfelle für einigermaßen Sicherheit beim Gehen. Wir passieren insgesamt drei Sami-Siedlungen, als am Horizont ein dunkler Punkt auftaucht: Ein Tier, ein Mensch? Skadi erkennt als Erste, dass es ein Mensch mit Pulka ist. Wir ändern unsere Richtung… Die Begrüßung: „Nice too meet you“ kommt aus ganzem Herzen und zumindest wir zwei sind sehr gerührt. Am achten Tag treffen wir den ersten Menschen, einen jungen Norweger, der von Kautokeino nach Sulitjelma bereits die dritte Woche auf dem Nordkalottleden unterwegs ist, der meist zeltet und nur bei schlechtestem Wetter in Hütten geschlafen hat (durch das schlimme Tauwetter mit Regen und Sturm hat er mehrere dieser schwierigen Tage erlebt). Er hat, wie er berichtet, auch schwere Krisen durch und wollte in Abisko abbrechen. Seine Freundin hat ihn am Telefon allerdings zum Weiterlaufen ermutigt… Wir plaudern noch ein bisschen und wundern uns im Nachhinein, wo wir uns getroffen haben: fernab jedes Weges auf dem Auslauf eines riesigen Sees, an dessen Seiten sich sogar eisfreie Stellen auftun, die uns einigen Respekt einflößen. An einer Kreuzung mit drei Sommerbrücken müssen wir entscheiden, welches unser Tagesziel sein wird. Weil wir unseren sozialen Kontakt für heute getroffen haben und wissen, dass in Kutjaure mindesten ein weiterer Mensch (der STF-Hüttenwart) sein wird, entscheiden wir uns, nach Kisuris zu laufen, was allerdings auch ganz schön weiter als nach Kutjaure ist. Es ist nicht nur weiter, der Weg führt auf einem schneelosen Kamm (ähnlich einem Bahndamm) entlang. Wir suchen, eiern rum und laufen schließlich auch ein ganzes Stück an den Hütten vorbei, die in einem Birkenwald liegen. Irgendwann steuern wir nach GPS-Peilung hart nach Westen und finden sie auf einem Plateau. Und die unangenehme Überraschung: Vor unserer „einsamen“ Unterkunft stehen Skier, Pulkas und Ausrüstung in Größenordnungen herum, die uns nichts Gutes erahnen lassen. Sechs Franzosen besetzen die sechs Betten! Wir arrangieren uns mit der Situation. Sie bieten uns an, auch noch in der Hütte zu schlafen. Wir entscheiden aber, das Zelt aufzubauen und sind dankbar, drin kochen zu können. Ihr Ziel ist eine Sarek-Durchquerung, wenn möglich mit Klettereinlagen. Die Stimmung zwischen uns ist gut, nach uns kochen Sie ein Mehrgänge-Menü. Ein heftig gerührter Kartoffelbrei mit Käse beeindruckt uns, ist aber eher nur bedingt outdoortauglich (wie die Reste im Topf bezeugen, die Skadi am nächsten Tag mühselig entfernt). Wir bekommen französischen Käse und auch den „Atombrei“ zum Verkosten. Vor dem Schlafengehen schwören wir die Franzosen ein, uns im Fall von Nordlichtern zu wecken. Gegen elf ertönt der Ruf: Es gibt Nordlichter! Leider durch Wolken getrübt und schlecht zu fotografieren, sind sie aber trotzdem ein Erlebnis und das Finale eines sehr ereignisreichen Tages. Nach deutlich mehr als 30 km Tour, Hütte suchen, dazu noch die vielen Menschen – das will erstmal verdaut sein…

Freitag, 1. April 2022: Tag des Bären

Gegen sieben stehen wir auf, es sind -16°C und wieder wird Benzin zu Wärme. Wir essen Müsli, tauen Schnee für die Thermoskannen und trinken jeder noch ungefähr einen halben Liter Kaffee und Tee. Der Abstieg von Kisuris erfolgt über die Rampe, die wir am Vorabend angesehen haben. Zu zweit lassen wir je eine Pulka rückwärts abgleiten und steigen vorsichtig zu Fuß nach. Das funktioniert gut. Unten geht es durch dichten Birkenwald und siehe da: 30 Meter von uns entfernt tauchen mitten im Gestrüpp vier Skifahrer mit Schlitten auf. Durch die Bäume unterhalten wir uns, wir sollen in Ihrer Spur über den Kutjaure laufen und !!!, dass sie gerade eben einen Bären gesehen haben, einen Kleinen, an unserer “left hand side“. Aufmerksam schauen wir nach unserem kleinen Bären, entdecken ihn aber leider nicht. Auf dem See gibt es Gegenwind, es ist saukalt. Am gegenüberliegenden Ufer finden wir die Schlafstelle der vier jungen Männer und auf Matthias‘ Betreiben folgen wir der falschen Spur, die uns auf einen Aussichtshügel (die Akka, heute mit einer Wolken-Mütze) führt… Später landen wir auf dem im unteren Bereich zugefrorenen Fluss und schließlich dem Scooter-Track, dem wir bis zu den Akka-Hütten folgen müssen.

Eine junge Hüttenwirtin mit Hund, erst seit drei Tagen im Amt, weist uns eine Hütte zu, in der schon vier reifere Damen wohnen. Überhaupt ist hier mächtig viel los. Uns gegenüber bevölkert eine Familie aus acht Franzosen (drei Generationen) die gespiegelte Hüttenvariante. Scheinbar wird Akka rege als Ferien-Domizil genutzt – kein Wunder, der Anschluss an die Zivilisation ist nur 15 km entfernt. Die Damen helfen uns beim Zurechtzufinden in der WG. (Wasser, Holz, Saunanutzung usw.), sind freundlich, wir lachen auch mal gemeinsam und nähern uns einander an. Unter Anderem erkundigen wir uns, ob es in Skandinavien auch den Brauch gibt, am 1. April Leute zu verkohlen – zum Beispiel, dass man einen Bären gesehen hätte… Da freuen sie sich mächtig, bestätigen, dass es diesen Brauch auch in Schweden gibt und dass die Bären jetzt natürlich schlafen – na klar! Uns haben sie dann nebenbei angedeutet, das heute noch fünf Holländer in unsere Schlafbuchte einziehen würden – April, April! Wir erkunden das Gelände, sägen und hacken Holz, holen am Wasserloch einen Kanister Sauna- und einen Kanister Hütten-Wasser… Unsere vier Raumteilerinnen wuseln in der Küche und gehen saunieren. Dann erwartet uns die Überraschung: Der Tisch der Damen ist für sechs Leute eingedeckt, wir sind eingeladen. Auf jedem Platz liegt ein Birkenrinden-Stück auf dem ein Fincrisp mit fein geschnittenem Fleisch und weißem Klecks drapiert ist. Es gibt geräuchertes Rentierherz mit Meerrettich und ein Glas Weißwein – wir sind zutiefst beeindruckt. Die vier Frauen haben 20 Jahre lang zusammen als OP-Schwestern in Uppsala gearbeitet, mit Herzoperationen zu tun gehabt und stellen nun scherzhaft fest, dass das Herz auf dem Tisch auf jeden Fall gesund aussieht. Sie unternehmen jedes Jahr einen gemeinsamen Ausflug, bei dem sie Ihre gemeinsame Beziehung pflegen und trotz ihres Alters aktiv sind. Die Älteste von ihnen ist 75 Jahre.
Danach ist das Saunafass (mit Aussicht in die Berge) unser Glücksort… Die grobe Zeit-Zuweisung durch die Hüttenwirtin hat schon Sinn gemacht, wir genießen unsere Freiheit zu zweit. Als wir wieder in die Hütte zurückkommen, fühlen wir uns blitzeblank und pudelwohl.
Wir wollen eigentlich kochen, bekommen aber einen Teller mit der übrigen Hauptmahlzeit vom schwedischen Tisch „Rödbetsbiffar med getostcreme“, das sind Rote-Beete-Klopse mit einem Käse-Creme-Dipp. Entweder sind sie wirklich sehr lecker oder wir sind durch unsere etwas kargen Mahlzeiten etwas entwöhnt. Auf jeden Fall wollen wir die Dinger zu Hause nachkochen und fotografieren die (aus einer Zeitschrift ausgerissene) Rezeptvorlage ab. Wir haben einen prächtigen Abend, erzählen von unserem unterwegs gelesenen Jokkmokk-Krimi („Totenleuchten“ von Klara Nordin), die Frauen von Selma Lagerlövs Geschichten um Nils Holgersson und die Anführer-Gans „Akka von Kebnekaise“, die ja quasi vor unserer Hüttentür spielen…
Was für ein ereignisreicher Tag beim (bedingten) Wiedereintritt in die Zivilisation!